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Kaninchen adoptieren
Abklärungen im Vorfeld

Kleintiere adoptieren – Kaninchen & Meerschweinchen

Die Adoption von Kleintieren wird oft unterschätzt. Kaninchen und Meerschweinchen sind keine „Anfängertiere“ für Kinder, sondern anspruchsvolle Mitbewohner mit spezifischen Bedürfnissen.

Grundsätzliche Überlegungen

Bevor kleine Ohren bei einziehen, sollten folgende Punkte geklärt werden:

  • Keine Einzelhaltung: Kaninchen und Meerschweinchen sind extrem soziale Tiere. Eine Einzelhaltung ist nicht artgerecht und führt zu Verhaltensstörungen. Es müssen immer mindestens zwei Tiere sein.

  • Platzbedarf: Ein handelsüblicher Käfig aus dem Zoohandel ist fast immer zu klein. Kaninchen benötigen Tag und Nacht eine Grundfläche von mindestens 6 m² für zwei Tiere.

  • Lebenserwartung: Kaninchen können bei guter Pflege 8 bis 12 Jahre alt werden, Meerschweinchen etwa 6 bis 8 Jahre. Das ist eine langfristige Verpflichtung.

  • Kostenfaktor: Kleintiere sind in der Tierarztbehandlung oft teurer als Hunde oder Katzen, da sie als „Exoten“ gelten und spezialisierte Tierärzte benötigen.

Die Checkliste für die Anschaffung

Was musst du vor dem Einzug vorbereiten?

  • Ernährung: Die Basis ist immer hochwertiges Heu und täglich viel frisches Blattgemüse, Kräuter und Zweige. Getreideloses Futter ist ein Muss.

  • Gesundheits-Check: Achte bei der Adoption darauf, ob die Tiere geimpft (besonders Kaninchen gegen RHD1, RHD2 und Myxomatose) und die Männchen kastriert sind.

  • Einrichtung: Versteckmöglichkeiten mit mindestens zwei Ausgängen (um Fluchtwege zu ermöglichen), Buddelkisten für Kaninchen und erhöhte Aussichtsplätze.

Woher die Tiere nehmen?

Die Wahl der Quelle ist entscheidend für die Gesundheit der Tiere:

  • Tierschutz & Notstationen: Die beste Wahl. Hier sind die Tiere meist tierärztlich untersucht, kastriert und der Charakter ist bekannt.

  • Zoohandel: Oft problematisch aufgrund zu früher Trennung vom Muttertier, falscher Geschlechtsbestimmung und Überzucht.

  • Privat: Achte darauf, dass keine „Vermehrer“ unterstützt werden, die ohne Fachwissen Tiere produzieren.

Warnsignale beim Kauf

Sei vorsichtig, wenn:

  • Die Tiere in kleinen, dreckigen Buchten ohne Tageslicht sitzen.

  • Kaninchen und Meerschweinchen zusammen in einem Käfig gehalten werden (sie sprechen verschiedene „Sprachen“ und ersetzen sich gegenseitig keinen Artgenossen).

  • Die Tiere kranke Augen, verklebte Nasen oder Kot am After haben.

Häufige Fragen

Was kostet die Anschaffung von Kaninchen oder Meerschweinchen?

Bei Kleintieren führt die Frage nach der Schutzgebühr in die Irre. Sie liegt meist im zweistelligen Bereich, oft zwischen CHF 30 und CHF 80 pro Tier. Der eigentliche Kostenfaktor ist die Ausstattung.

Ein artgerechtes Gehege kostet ein Vielfaches der Schutzgebühr. Handelsübliche Käfige aus dem Zoofachhandel sind dafür fast nie geeignet, sie sind zu klein. Wer Kaninchen oder Meerschweinchen aufnimmt, baut das Gehege in der Regel selbst oder kombiniert mehrere Elemente.

Dazu kommen laufende Kosten: Heu, Frischfutter, Einstreu, Impfungen und Tierarztbesuche.

Die Anschaffung ist günstig, die artgerechte Haltung ist es nicht. Genau diese Fehleinschätzung führt dazu, dass so viele Kaninchen und Meerschweinchen im Tierheim landen.

Wie viel Platz brauchen Kaninchen und Meerschweinchen wirklich?

Hier lohnt es sich, zwei Dinge zu unterscheiden: das gesetzliche Minimum und das, was die Tiere tatsächlich brauchen.

Das Gesetz schreibt vor: Für zwei Meerschweinchen sind mindestens 0,5 m² Grundfläche vorgeschrieben, also etwa 100 mal 50 Zentimeter. Für jedes weitere Tier kommen 0,2 m² dazu. Erhöhte, von den Tieren begehbare Flächen dürfen bis zu einem Drittel der Mindestfläche angerechnet werden. Für Kaninchen gelten gestaffelte Masse nach Gewicht, festgehalten in Anhang 1 Tabelle 8 der Tierschutzverordnung.

Was die Tiere brauchen, ist mehr. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hält selbst fest, dass die vorgeschriebenen Grössen das absolute Minimum sind, und empfiehlt für zwei bis drei Meerschweinchen rund zwei Quadratmeter. Für Kaninchen empfehlen Tierschutzorganisationen deutlich grosszügigere Flächen als das Gesetz verlangt.

Ein Gehege, das gerade eben legal ist, ist kein gutes Zuhause. Rechnen Sie mit mehreren Quadratmetern, die den Tieren Tag und Nacht zur Verfügung stehen.

Warum darf kein Tier allein leben?

Kaninchen und Meerschweinchen sind sozial lebende Tiere. Ein einzeln gehaltenes Tier leidet, auch wenn es sich nichts anmerken lässt.

Bei Meerschweinchen ist die Einzelhaltung in der Schweiz nicht zulässig. Sie müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Das ist keine Empfehlung, sondern geltendes Recht.

Bei Kaninchen rät das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zur Gruppenhaltung. Bewährt hat sich ein kastriertes Männchen mit ein bis zwei Weibchen. Jungtiere dürfen in den ersten acht Wochen nie allein gehalten werden.

Ein Mensch kann den Artgenossen nicht ersetzen, auch bei noch so viel Zuwendung. Tierheime vermitteln aneinander gewöhnte Paare und Gruppen deshalb nur zusammen.

Wie alt werden Kaninchen und Meerschweinchen?

Kaninchen werden bei guter Pflege 8 bis 12 Jahre alt, Meerschweinchen 6 bis 8 Jahre. Das wird regelmässig unterschätzt.

Wer die Tiere für Kinder anschafft, sollte bedenken: Ein Kaninchen, das heute einzieht, lebt möglicherweise noch, wenn das Kind längst ausgezogen ist. Die Verantwortung bleibt bei den Erwachsenen.

Was kostet der Tierarzt?

Mehr, als viele erwarten. Kaninchen, Meerschweinchen und andere Kleintiere gelten tiermedizinisch als Exoten. Nicht jede Praxis behandelt sie, und spezialisierte Sprechstunden sind teurer.

Kaninchen sollten gegen RHD, RHD2 und Myxomatose geimpft werden. Geschlechtsreife Männchen müssen kastriert werden, wenn sie mit Weibchen zusammenleben. Die Kastration darf nur unter Narkose und durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt erfolgen.

Klären Sie vor der Adoption, welche Praxis in Ihrer Nähe Kleintiere behandelt. Im Notfall ist keine Zeit für die Suche.

Können auch Hühner adoptiert werden?

Ja, und es sind die Tiere mit der wohl kürzesten Frist. Legehennen werden nach zehn bis zwölf Monaten Legeperiode ausgestallt, obwohl sie noch jahrelang leben könnten. In der Schweiz betrifft das jedes Jahr rund drei Millionen Tiere.

Wer Platz hat, kann einigen davon ein zweites Leben geben. 

Voraussetzung ist:

  • ein grosszügiger, gesicherter Freiauslauf
  • ein hühnergerechter Stall mit Sitzstangen und Legenestern
  • Zugang zu frischem Wasser und ausgewogenem Futter
  • mindestens vier Tiere, denn Hühner sind Herdentiere

Die Vermittlung läuft über einzelne Ausstallungstermine, bei denen jeweils mehrere hundert Hennen ein Zuhause suchen. Alle Informationen und die kommenden Termine finden Sie unter Hühner retten.

Woran erkenne ich eine seriöse Vermittlung?
  • Die Tiere werden nur paarweise oder in der Gruppe abgegeben, nicht einzeln.
  • Es wird gefragt, wie das Gehege aussieht und wie gross es ist.
  • Der Gesundheitszustand wird offen beschrieben, inklusive Impfungen und Kastration.
  • Es wird ehrlich gesagt, wenn ein Tier nicht für Kinder geeignet ist. Kaninchen und Meerschweinchen mögen es meist nicht, hochgehoben und getragen zu werden.
  • Die Organisation bleibt nach der Vermittlung erreichbar.

Auf tieronline.ch tragen geprüfte Organisationen ein grünes Prüfzeichen. Gewerbliche Tierhändler und Züchter sind nicht zugelassen.

Quellen: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, blv.admin.ch, Angaben zu Kaninchen und Meerschweinchen; Tierschutzverordnung Art. 64 und 65 sowie Anhang 1 Tabelle 8. Abgerufen im August 2026.

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