Einem älteren Tier ein Zuhause geben
Seniorentiere aus der Schweiz suchen ein Zuhause
Ratgeber "Pfotenspuren"

Im Ratgeber bekommen Sie Antworten und Tipps auf viele Fragen zur Adoption eines Hundes.
Was für ein älteres Tier spricht
Ein junges Tier ist ein Versprechen, ein älteres ein offenes Buch: Charakter, Grösse und Wesen sind bereits ausgeprägt. Ein älteres Tier wird sich im Kern kaum mehr wandeln, was man sieht, das bleibt. Mehrere Punkte sprechen für die Adoption eines Seniors:
- Ausgeglichenes Wesen. Ältere Hunde und Katzen sind ruhiger und gehen Stress eher aus dem Weg, statt ihn zu suchen. Das sorgt für ein entspanntes Zusammenleben.
- Bereits erzogen. Viele ältere Tiere kennen die Grundkommandos, sind stubenrein und mit dem Alltag vertraut, also keine durchwachten Nächte und keine zerkauten Schuhe.
- Weniger Beschäftigungsdruck. Ältere Tiere brauchen weniger Auslastung als junge und sind mit ruhigen Runden und gemeinsamer Zeit zufrieden. Das passt zu Menschen mit weniger Zeit und Energie.
- Überschaubare Eingewöhnung. Da Wesen und Bedürfnisse bekannt sind, lässt sich vorab gut einschätzen, ob Tier und Halterin oder Halter zusammenpassen.
Ehrlicherweise gehört dazu: Mit einem älteren Tier teilt man weniger gemeinsame Jahre. Für viele ältere Tiere bedeutet die Adoption jedoch, dass sie ihren Lebensabend in einem Zuhause statt im Tierheim verbringen dürfen – Tierschutz im besten Sinne.
Senioren für Senioren
Gerade für ältere Menschen kann ein Tier eine echte Bereicherung sein, und ein ruhiges, älteres Tier passt dabei oft besser ins Leben als ein quirliger Jungspund. Studien über die Wirkung von Tieren auf Seniorinnen und Senioren zeigen:
- Struktur im Alltag. Professor Martin Meyer vom Psychologischen Institut der Universität Zürich beschreibt, dass ein Hund dem Leben neue Struktur und neue Impulse gibt. Er vermutet, dass ein Hund den Übertritt ins betreute Wohnen sogar hinauszögern kann.
- Schutz vor Einsamkeit. Beim Spaziergang entstehen soziale Kontakte. Der Effekt ist nicht auf Hunde beschränkt: In einer englischen Studie hatten Rentnerinnen und Rentner, denen ein Wellensittich zugeteilt wurde, bald mehr Freunde und mehr Besuch als jene, die eine Zimmerpflanze erhielten.
- Tieferer Blutdruck. Senioren mit Bluthochdruck, die einmal wöchentlich von einer Pflegekraft mit Hund besucht wurden, hatten nach einem Monat tiefere Blutdruckwerte als die Vergleichsgruppe ohne Hund.
- Positive Wirkung auf die Psyche. Schon die Anwesenheit eines Tieres beruhigt in stressigen Momenten. Bei Menschen mit Demenz zeigt sich besonders deutlich, dass sie in Gesellschaft von Tieren weniger unruhig und weniger aggressiv sind sowie mehr lächeln und sprechen.
Wichtig ist der ehrliche Hinweis: Ganz ohne Nebenwirkungen sind Tiere nicht. Bei betagten Menschen ist das Sturzrisiko erhöht, wenn ein Hund oder eine Katze im Haushalt lebt. Und der Tod eines geliebten Tieres ist ein schmerzlicher Verlust. Gerade deshalb passt das ruhige, unkomplizierte Wesen eines älteren Tieres gut zu einem älteren Menschen. Kein Ziehen an der Leine, kein wildes Toben, sondern verlässliche Gesellschaft.
Wer kein eigenes Tier mehr möchte
Ein eigenes Tier kostet Geld, macht Arbeit und braucht Platz. Doch auch ohne eigenes Tier lässt sich von der Wirkung profitieren. In Altersheimen fühlten sich Menschen bereits weniger einsam, wenn sie nur eine halbe Stunde pro Woche Besuch von einem Hund bekamen. Sogar ein Aquarium im Speisesaal zeigte Wirkung. Die Bewohnerinnen und Bewohner assen ihre Mahlzeiten besser auf, im Schnitt rund ein Viertel mehr.
Wer kein eigenes Tier halten möchte oder kann, hat viele Möglichkeiten: ein tiergestützter Besuchsdienst, eine Tierpatenschaft oder ehrenamtliche Gassi-Begleitung im Tierheim.
Fazit
Ältere Tiere bringen viel mit: ein gefestigtes Wesen, Erfahrung im Zusammenleben mit Menschen und einen geringeren Betreuungsaufwand. Für ältere Menschen sind sie häufig die passendere Wahl, und für das Tier bedeutet die Adoption einen geborgenen Lebensabend. Ein Blick auf die ruhigen, älteren Tiere im Tierheim lohnt sich – für beide Seiten.