Update März 2026 - Cecilius hat Fragen
Acht Monate sind vergangen, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Acht Monate im Lager sind eine eigene Maßeinheit – irgendwo zwischen „ewig“ und „hoffentlich passiert gleich was“. Ich bin immer noch Cecilius: klein, eher leise, mit zartem Wesen. Aber ich habe in der Zwischenzeit eine kleinen Hunde-WG gegründet, und teile ich mir den überschaubaren Zwinger mit Rüden und Hündinnen. Und ich kann berichten: Das funktioniert. Ich bin eher für Diplomatie. Ich deeskaliere mit einem höflichen Blick, einem vorsichtigen Schritt zur Seite und notfalls mit dem ultimativen Friedensangebot: Ich tue so, als hätte ich nichts gesehen. Man könnte sagen, ich bin der Mitbewohner, der nie den Müll rausbringt, aber dafür immer nett ist. (Okay, ich bringe keinen Müll raus. Ich habe keine Daumen. Bitte realistisch bleiben.). Wenn es hier eine Hausordnung gäbe, stünde ganz oben: Bitte freundlich bleiben. Unterschrift: Cecilius.
Neulich waren die Tierschützer wieder da. Ich habe so getan, als wäre mir das alles völlig egal. Rein aus Prinzip. Man möchte ja nicht verzweifelt wirken. Also stand ich erst mal da, ganz klein, ganz seriös, mit diesem Blick, der sagt: „Guten Tag. Ich beobachte die Lage.“ Ich wirke anfangs manchmal etwas schüchtern – das ist korrekt. Ich nenne es gern „vorsichtig charmant“. Klingt besser. Aber dann kam der Moment, in dem alles anders wird: die Leine. Und der beste Teil: rausgehen.
Sobald wir draußen sind, passiert etwas Seltsames mit mir. Meine Beine sagen „Okay“, meine Nase sagt „JAAA“, und mein Kopf sagt „Bitte nicht übertreiben“. Draußen laufe ich passabel an der Leine. Und trotzdem: Ich werde schnell neugierig und kontaktfreudig, meine Nase schaltet sofort auf Berufsmodus: Hecken sind für mich nämlich nicht einfach Pflanzen. Hecken sind… Nachrichtenportale. Da steht alles drin: Wer war hier? Wann? Mit welcher Stimmung? Hatte er Snacks dabei? Und warum hat er nicht mit mir geteilt?
Und jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsthema. Bitte setzen Sie sich. Katzen. Ich habe da Fragen. Erstens: Wie kann man so klein sein und sich trotzdem so verhalten, als gehöre einem die Welt? Zweitens: Warum laufen Katzen immer so, als hätten sie einen Termin? Drittens: Warum sind sie so interessant? Und zwar nicht so „Hinterher!“, sondern so „Entschuldigung, hätten Sie kurz Zeit für ein Gespräch über Ihre Machenschaften?“ Denn ganz ehrlich: Was machen Katzen eigentlich beruflich? Sie laufen herum, als hätten sie Schichtdienst. Sie sitzen irgendwo erhöht, als würden sie die Lage überwachen. Sie verschwinden, als wären sie Außendienst. Und sie schauen einen an, als hätte man selbst einen Termin vergessen. Das ist hochprofessionell. Ich vermute, Katzen arbeiten in einem sehr wichtigen Bereich.
Unterm Strich bin ich also weiterhin: sehr süß, lieb, gutmütig und sozial – nur eben mit einem kleinen Startknopf. Drücken Sie den bitte freundlich, nicht hektisch. Dann komme ich.
Wenn Sie also der Meinung sind, dass in Ihrem Haushalt noch Platz für einen leisen Hund mit Charme, guten Manieren und gelegentlichen philosophischen Gedanken über Hecken und Katzen ist, dann rufen Sie doch einfach meine Vermittlerin an. Sie ist nämlich zuständig für eine sehr wichtige Sache: Sie sorgt dafür, dass Hunde wie ich irgendwann ihr eigenes Zuhause finden. Und ehrlich gesagt – ich wäre bereit dafür.